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Reinhard Westermann
Reinhard
Westermann
r_u_u@gmx.de
Langenberg
Germany

Rotorua / Karangahake
01.12.2005 - 03.12.2005
Rotorua
Nach unserem Kanada-Urlaub und zwei Monaten hier in Neuseeland, haben wir uns mittlerweile an das chlorhaltige Trinkwasser gewöhnt. Dieses Wochenende setzten wir dem noch eins oben drauf.

Das Ziel unseres Wochenendtrips heißt Rotorua und ist weniger wegen der Stadt als solche in ganz Neuseeland bekannt, sondern vielmehr wegen seines Geruchs… oder sollte ich besser schreiben: wegen seines Gestanks.

Dass der Geruch nur indirekt der Grund unserer Reise ist, wird uns wohl jeder glauben. Denn schon von weitem kommt uns von Zeit zu Zeit ein Hauch von faulen Eiern in die Nase. Nein, der Hauptgrund sind die heißen Quellen, die in Rotorua und Umgebung zu finden sind. Und mit dem heißen Wasser kommt auch Schwefel mit an die Erdoberfläche und verbreitet diesen beißenden Geruch.

In Reiseführern ist sogar dringend empfohlen, Kleidung zu tragen, die bis zur nächsten Wäsche wirklich nicht mehr benötigt wird. Dass man diese Kleidung natürlich nicht mehr zum nächsten Einkaufsbummel tragen kann, ist schon einleuchtend - oder sollte man sie gerade deshalb tragen?!? - aber soviel sei vorweggesagt: ganz so penetrant ist der Duft des heißen Wassers dann doch nicht :-)

Nach ca. vier Autostunden Fahrt von Auckland aus, quartieren wir uns zunächst einmal in unserem Backpacker ein. Unser Wochenendheim ist diesmal für 90 Dollar ein schnuckeliges Zimmer mit Dusche.

Anschließend erkunden wir per pedes die Straßen der Stadt und stellen leider schnell fest, dass Rotorua nicht viel zu bieten hat und scheinbar nur von den wenigen Touristen lebt, die es hier ein zwei Tage ohne (viel) frische Luft aushalten. Und wenn die Stadt wirklich mal lebendig erscheint, dann doch ehr wegen der Gruppe Asiaten, die mal kurz dem Bus entflohen sind. Aber wegen der Stadt sind wir ja wie gesagt nicht hier und so freuen wir uns dennoch auf den nächsten Tag in der freien Natur!

Das Waimangu Valley hat es uns heute angetan und wir sind schon sehr gespannt auf blubbernde Bäche und farbenprächtige Landschaften. Der Eintritt verpasst uns allerdings vorher einen Dämpfer. Für die Besichtigung des Tals, die Nutzung des Shuttlebus und einer Bootsfahrt sollen wir 55 Dollar pro Person zahlen. Auch wenn wir bisher in die Natur immer noch kostenlos gekommen sind, bezahlen wir in der Hoffnung, dafür auch einiges geboten zu bekommen.

Die negative Kritik vorab: bei dem Shuttlebus hat man eh keine Wahl, aber die Bootstour ist wirklich über! Leider kann ich an dieser Stelle nicht sagen, was das letztendlich am Gesamtpreis geändert hätte, aber 45 Minuten das Gleiche sehen, was man sich vorher sowieso schon erwandert hat, ist wirklich nicht nötig.

Kommentar von Heike dazu: Ich fand die Bootsfahrt schön! Okay, sie war teuer, aber man konnte gut den Mount Tarawera sehen. Der ist 1886 ausgebrochen. Dabei wurden unter anderem die "White and Pink Terraces" zerstört. Sie galten als eines der natürlichen Weltwunder. Gut, bei der Bootsfahrt konnten wir also nur die Stellen sehen, wo diese Terrassen frühermal viele Touristen angezogen haben, trotzdem wars schön. ;-) Kommentar-Ende

Und nun das Positive: wow - Farben in der Natur, von denen wohl sonst nur ein Taucher erzählen kann! Und immer wieder hört man es blubbern und zischen. Nie zuvor habe ich Berge so lebendig erlebt, wie hier, wenn weiße Wasserdampfwolken das Gestein verlassen.

Ohne jetzt auf alle Einzelheiten eingehen zu wollen, möchte ich dennoch den "Inferno Crater Lake" erwähnen. Ich bin noch nie in der Karibik gewesen, aber eine einsame, kleine Lagune mit türkisblauem Wasser in idyllischer Natur stelle ich mir genau so vor. Wir sind noch nicht ganz an diesen Traumplatz herangetreten, da blitz das Blau schon durch die Büsche und verschlägt uns den Atem. Der romantische Eindruck wird noch durch die sachten Wasserdampf-Schwalle über der Oberfläche verstärkt.

Wüssten wir nicht, wie gefährlich diese Seen sind, wir würden direkt hineinspringen. Aber so ist das halt in der Natur: die schönsten Blumen sind meist auch die giftigsten.

Und der "Inferno Crater Lake" trägt nicht ohne Grund seinen Namen. Das Wasser dieses wie auch aller anderen Seen hat oft eine Temperatur von über 50-80° Grad Celsius und erreicht an den heißen Quellen nicht selten den Siedepunkt.

Und auch der Säurewert dieser Gewässer ist beachtlich. Auf der Säure-Basen-Skala von eins bis vierzehn erreicht dieses Wasser teilweise einen ph-Wert von 3,5 und liegt damit genau zwischen Salzsäure (ph 0) und dem Neutralwert (ph 7). Der "Inferno Crater Lake" hat sogar einen ph-Wert von 2,1.

Nach dem Gucken-aus-der-Ferne möchten wir aber dann doch noch mal hinein ins Wasser! Die Polynesia-SPA-Pools in Rotorua sind hierfür ideal und locken mit schwefelhaltigen Pools von 35 bis 42° Grad Celsius. Und dieses gibt es in Außenbecken mit einem wunderbaren Blick auf den "Lake Rotorua" und einem Möwennistplatz zu erleben. Wirklich erholsam und mit 15 Dollar pro Person durchaus erschwinglich.

Der Sonntag beginnt zunächst mit dem Check-out um 10 Uhr und einem Spatziergang im Stadtpark. Hier bekommen wir auch endlich die dickflüssigen Schlamm-Blubber-Becken zu sehen.

Steht letztendlich also nur noch ein Geysir auf unserer Wunschliste. Die gibt es hier aber leider nicht an jeder Ecke und nochmals einen hohen Eintritt wollen wir an diesem Wochenende nicht bezahlen. Stattdessen heizen wir unseren kleinen Toyota Starlet an und fahren Richtung Osten. Wir haben nämlich Zeit und müssen deshalb nicht per Motorway Richtung Auckland zurück, sondern können ein wenig Küstenstraße fahren.

Mit Tauranga streifen wir also noch den nördlichsten Zipfel der "Bay of Plenty" und lassen uns vom Motorway 2 Richtung Norden führen. Zwischen Waihi und Paeroa machen wir dann erst einmal Pause und schwingen uns in unsere Wander-Klamotten. Denn bei Karangahake versprechen uns Hinweisschilder einen Wasserfall und einen alten Goldgräbertunnel. Die Bilder unten zeigen, dass wir beide Attraktionen auch erlebt haben. Und gerade bei dem ein Kilometer langen Tunnel sind wir uns zunächst nicht so sicher gewesen, ob wir ihn überhaupt durchqueren sollen.

Aber wir haben ihn durchquert und das gleich zweimal! Der alternative Rückweg durch die Schlucht ist nämlich noch diesen Monat für Wanderer gesperrt. Mal schauen, ob wir auf unserer Weihnachturlaubsreise noch einmal einen Stopp einlegen.

Wieder zurück am Auto sträuben wir uns immer noch, den direkten Weg nach Auckland zurückzulegen. Und nicht zuletzt wegen der zu erwartenden Staus auf dem Motorway 2 vor Auckland verlassen wir diesen und fahren nordwärts Richtung "Firth of Thimes". Die Pacific Coast Tourist Route ist einfach um ein vielfaches schöner und mit dem spätern Blick auf die Coromandel-Halbinsel wesentlich kurzweiliger.

Kurzweilig ist auch das richtige Stichwort, um einfach noch einmal die verschiedenen Landschaften dieses Wochenendes revue passieren zu lassen: innerhalb weniger Stunden passieren wir Schluchten, die an Canyons erinnern, wir fahren durch saftig grüne Hügellandschaften oder über spektakuläre Küstenstraßen. Und dann erinnert die Gegen plötzlich wieder an das platte Holland mit dem Meer vor der Haustür.
Schlamm-Blubber im Stadtpark von Rotorua
Stadtpark von Rotorua
der Wasserfall auf dem Weg nach Karangahake
die alte Eisenbahnlinie der Goldgräber
ein Kilometer führt dieser Tunnel durch den Berg
auf der anderen Seite in Karangahake