Nein, das ist keine Zutat für irgendwelche Weihnachtsplätzchen. Coromandel Island ist eine Halbinsel östlich von Auckland und wir haben gehört, dass sie auf jeden Fall eine Reise wert sei. So entscheiden wir uns auch dieses Wochenende für einen Mietwagen und machen uns mit drei Mitstudentinnen aus unserer Schule auf den Weg. (Christina, Saarbrücken; Tuperna und ihre Oma Bodil, Grönland)
Unser erstes Ziel auf Coromandel ist der gleichnamige Ort, den wir auch drei Stunden später erreichen werden. Zuvor führt uns jedoch der Weg zum Highway 25, der uns direkt an der Westküste der Insel gen Norden führt. Wir schlängeln uns mit circa 50 - 70 km/h durch die wunderbare Landschaft und staunen immer wieder über die bewachsenen Bergketten auf der einen Seite, und der endlosen Weite des Ozeans und den vorgelagerten Inseln auf der anderen Seite.
In Coromandel angekommen, beziehen wir im „Tide Water Tourist Park“ unser Quartier für diese Nacht. Als Gruppe mit fünf Personen, sind wir heute nicht in den normalen Backpackerunterkünften untergebracht, sondern genießen den Luxus eines eigenen Hauses. Für umgerechnet ca. 15 Euro pro Person bekommen wir hier eine offene Küche mit angeschlossenem Wohnbereich, Dusche/Bad und WC, doppelstöckige Betten sowie einen eigenen Autostellplatz geboten.
An diesem Abend haben wir nur noch ein leckeres Abendessen geplant und lassen den Tag gemütlich mit einem Spatziergang und einem guten Buch ausklingen.
In der Nacht - so könnte man jetzt vermuten - bekomme ich ganz persönlich die Erklärung dafür, warum die Unterkunft so günstig ist. Das Verlangen nach etwas zu trinken und der gute Wille, beim Gang in die Küche so wenig schlafstörend wie möglich zu sein, verleitet mich im Halbschlaf zu folgendem wagemutigen Plan: die Taschenlampe, griffbereit neben dem Kopfkissen… bleibt aus! Die Leiter am Fußende meines Betts führt in den Umkleidebereich von Christina und wird deshalb… natürlich nicht benutzt. Und so schwinge ich mein Bein selbstbewusst und typisch die-Statik-ist-bestimmt-für-ein-Erdbeben-der-Stärke-neun-ausgelegt-deutsch über das Geländer meines Schlafgemachs. Meine Zehenspitzen berühren schon das Bettgestell unter mir, als mein Mittelohr plötzlich eine stark ansteigende Schräglage bemerkt und verzweifelt hofft, dass das Auge eine ganz logische Erklärung für diesen Zustand bereithält. Mein Auge hingegen weiß aber von alldem rein gar nix - es ist ja schließlich stockdunkel. RUMS!! Das war wohl nichts mit heimlich-aus-dem-Bett :-/
Was ist passiert? Das obere Bett hat leider ohne jegliche Fixierung mit Wand oder unterem Bett in der Gegen 'rumgestanden und ist natürlich nicht mit einem Schwerpunkt jenseits von Gut und Böse zurechtgekommen.
Für die beunruhigten Menschen unter uns sei gesagt: der blaue Fleck am Allerwertesten soll drei Tage später schon mehrere Farbspektren durchlaufen haben und auch der Fuß wird sich dann nur noch sehr wage zurückerinnern können :-)
Der nächste Morgen bringt uns nach einem guten Frühstück schon nach drei Kilometern zum nächsten Ziel unserer Reise. „Driving Creek Railway“ ist der Name einer Eisenbahn mitten durch den „Urwald“, von der man den Eindruck hat, hier hat ein Modellbauer ein wenig übertrieben. Auf Zwergen-Schienen bringt uns eine kleine Bahn innerhalb der nächsten Stunde zu tollen Aussichtspunkten dieser Gegend. Noch viel mehr beeindruckt uns jedoch der Weg an sich. Vegetation wie auf Rangitoto Island (siehe entsprechenden Blog) und steile Berge können wir uns auf dieser Fahrt aus nächster Nähe ansehen - und das auf eine erfreulicherweise wenig anstrengende Art und Weise. Der Hinweis vom Lokomotivführer, Arme und Kopf immer innerhalb der Wagone zu halten, macht übrigens Sinn. Streifen doch nur allzu oft Pflanzen direkt am Wagon entlang. Enge Tunnel und Brücken sind ebenfalls sehr penibel auf die Maße des Zugs ausgelegt.
Auch wenn der Zug mittlerweile kaum mehr anders genutzt wird, ist sein Sinn und Zweck natürlich nicht, Touristen zu kutschieren. In Eigenleistung gebaut, ist er vielmehr Transportmittel für einen Töpfer gewesen, der so sein Material aus den Bergen zur Werkstatt transportiert hat.
Auf der Weiterfahrt unserer Coromandel-Tour sind wir fünf uns alle einig und pflichten unserem Guide auf Schienen bei: „Ist hier vielleicht jemand von Auckland an Board? Ja? – Herzlich Willkommen in Neuseeland!!“
Für die Route in Richtung unseres nächsten Nachtlagers in Whitianga verlassen wir die Küstenstraße und begeben uns auf die Road 309 Richtung Süden - Schotterpiste! Als Höhepunkte dieser Strecke versprechen uns die Reiseführer einen tollen Wasserfall und das Erlebnis, uralte Kauri-Bäume aus nächster Nähe zu sehen. Und beides ist wirklich sehenswert - die Fotos weiter unten sprechen meiner Meinung für sich.
Die zweite Tageshälfte des Samstags gehört einem abgelegenen Strand mit dem Namen „Cathedral Grove“. Ein riesiger Durchbruch innerhalb einer Felswand hat die Form eines gotischen Bogens und hat diesem Strand seinen Namen verliehen. Bei Ebbe gelangt man hier durch zu einem weiteren Strandabschnitt mit noch mehr feinstem, weißen Sand.
Auch wenn gut dreißig bis vierzig Minuten Fußmarsch eingeplant werden muss, und der allein ist hier schon einen Besuch wert, sind wir an solch einem besonderen Ort natürlich nicht ganz einsam. Eine Kajakgruppe trinkt gerade genüsslich einen Cappuccino, während andere sportlich auf ihren Surfbrettern die Wellen bezwingen oder einfach nur am Strand sitzen und auf die Brandung und den Inseln vor sich schauen.
Zurück in der Backpackerunterkunft treffen wir auf Barbara (Baden Württemberg) und Matthias (Bayern), mit denen sich Christina und Tuperna verabredet haben. Bei Chili con Carne verbringen wir unseren Abend in gemütlicher Runde, bevor wir müde ins (!!) Bett fallen.
Mit einem Besuch am „Hot Water Beach“ geht unser Wochenende schon wieder dem Ende entgegen. Doch vor der Rückfahrt wollen wir es wissen. Ist es wirklich wahr, dass es an diesem Strand heiße Quellen ermöglichen, in selbstgegrabenen Wasserbecken der (noch) kalten Wassertemperatur zu trotzen? Mit einer Rental-Shovel (gemieteten Camping-Schaufel) bewaffnet, machen wir uns auf den Weg zum beschriebenen Strandabschnitt. Und wirklich, schon wenig später sitzen die ersten Strandbesucher in ihrer Sandburg und genießen die wohlige Wärme der heißen Quelle. Die Probegrabungen aller anderen - uns eingeschlossen - bleiben heute allerdings ohne Erfolg: nur kaltes Wasser im Boden, hmmm. In solch einem Moment spürt man plötzlich die Solidarität untereinander und von jetzt auf gleich sind nicht nur unsere drei Schaufeln damit beschäftig, wasserseitig der einzigen Fundstelle einen Damm zu bauen, sondern eine ganz Armee. Einige zerstörerische Brandungswellen später ist der Damm endlich fertig gestellt und die freundlichen Badewannenbewohner von nebenan teilen freundlicher Weise ihre Quelle mit uns. „Wir sitzen doch alle im selben …in der selben Wanne!“
Heißes Wasser am Strand, kaltes im Meer und ein gutes Buch im Sonnenbad - so lässt sich dieser Nachmittag beschreiben, bis wir uns (leider) wieder auf den Rückweg machen müssen.
Mit soviel Erlebnissen und soviel Entspannung macht uns auch der Stau auf dem Heimweg nichts aus und wir können ausgeruht und voller Erwartung auf unseren neuen Lehrer in die neue Woche gehen.
unser Gefährt für die nächste Stunde
auf Schmalspur in die Wildnis
...und Tunnel führen uns...
...zu den schönsten und buntesten Orten im Wald...
...und zu den Punkten mit den schönsten Aussichten!
der Wasserfall direkt am Weg
Kauri-Bäume, Neuseelands ganzer Stolz
und trotzdem manchmal nicht gerne allein :-)
der Weg zur Cathedral Cove
dieser Felsen gibt dem Strand seinen Namen
der selbstgebaute Pool am Hot Water Beach
Tuperna (rechts) und ihre Oma Bodil links daneben - wie eifrig!!