Diesen Tag lassen wir so richtig ruhig angehen. Wir schlafen relativ lange, da uns Wind und bewölkter Himmel nicht so richtig aus dem Bett locken können. Nach dem Frühstück haben uns die beiden anderen Campervans bereits auch wieder verlassen; uns veranlasst das aber nicht zur Eile. Ich habe gestern noch einen Pfad bergauf gefunden, der direkt auf der anderen Seite des Flusses beginnt und den ich auf jeden Fall noch gehen möchte.
Dichte Sträucher und mehr stechende Pflanzen als mir lieb sind, machen den Aufstieg nicht sehr angenehm. Auch der teilweise lehmige Boden ist nach dem Regen der letzten Nacht gefährlich rutschig. Solange aber der ganze Hang nicht abrutscht, wie es vor längerer Zeit wohl mal geschehen ist, bin ich schon zufrieden.
Wie wir gestern einige Meter unten am Strand an genau dieser Erdrutschstelle festgestellt haben, ist ein großer Teil des Hangs samt Bäumen abgerutscht und hat eine ordentliche Ladung Lehm mit sich gerissen. Dieser Lehm ist dann von der Brandung unter die Steine des Strandes vermischt worden. Bei Ebbe hat der Lehm dann in der Sonne trocknen können und mit einigen dieser Vermisch- und Trocknungs-Zyklen hat sich mittlerweile eine millimeter dicke Lehmschale um die Steine bilden können. Wer jetzt seinen Fuß auf diesen Abschnitt des Strands setzt, glaubt auf weichem Untergrund zu laufen. Die weiche Lehmschalen federn jeden Schritt ab, als ob man auf feuchtem, weichen Holz laufen würde.
Heute befinde ich mich aber oberhalb des Hangs und folge dem schmalen Pfad weiter bergauf. Ich bin froh, dass die Temperaturen heute nicht sommerlich hoch sind und ich mich in meiner langen Kleidung nicht totschwitze. Die habe ich nämlich wegen der stacheligen Sträucher der kurzen Kleidung vorgezogen.
Etwas ernüchternd eröffnet sich mir dann das Ende dieses Anstiegs: für die letzten Meter Pfad sind Treppenstufen in den Boden geschlagen und führen direkt zu einer Straße, die die Fortführung der Straße ist, über die wir gestern in diese Gegend gefahren sind.
Bevor ich jetzt aber über Asphalt laufe, nehme ich lieber den selben Weg wieder bergabwärts.
Wieder unten, überrasche ich Heike mit meiner raschen Rückkehr. Wir gönnen uns noch die Zeit und schreiben ein bisschen Blog, bevor wir uns auf die Weiterfahrt machen.
Über Nelson möchten wir heute in Richtung Abel Tasman National Park fahren. Dieser Park hat seinen Namen von dem holländischen Seefahrer, der schon vor James Cook Neuseeland entdeckt hat. Anders als sein britischer Kollege hat Tasman allerdings nie einen Fuß auf Neuseeland gesetzt. Als er in der Nähe dieses Parks an Land gehen wollte, sind seine Boote von Ureinwohnern angegriffen worden. Er hat es daher vorgezogen, direkt wieder kehrt zu machen.
Vor dem Park legen wir aber noch einen Stopp in Nelson ein. Hier finden wir ein Internet-Café, um uns und unsere Blog-Leser auf dem laufenden zu halten. Mit weiterem Proviant halten wir noch an einer Autowerkstatt, da uns unsere Batterie (die zweite, die für die wirklich wichtigen Dinge: Kühlschrank, DVD, Inverter ;-) ein wenig schwach vorkommt.
Der Mechaniker kann allerdings nichts finden und tippt darauf, dass einfach die falsche Autobatterie für derartige Zwecke eingebaut worden ist. Wie verbleiben so, dass wir die Batterie noch ein wenig beobachten - vielleicht ist sie auch am Beginn unserer Reise einfach zu entladen gewesen und jetzt wird alles besser - hoffen wir es mal!
Die Reaktion von Spaceships auf unseren Anruf hin hat uns übrigens sehr positiv überrascht. Nach kurzer Schilderung unseres Problems hat man uns direkt die Adresse der nächsten Kooperationswerkstatt genannt - sehr unproblematisch.
Mittlerweile ist es dann auch schon wieder spät und wir fahren weiter um uns am Nationalpark ein Nachtlager zu suchen. "Nicht schön, aber einigermaßen trocken soll es sein", so gibt Heike beim Blick Richtung Himmel ihren Wunsch an. Etwas nördlich von Motueka machen wir halt, greifen das erste Mal dieser Reise auf Dosenfutter zurück und machen es uns dann für den Abend gemütlich.